Die Reinigungsfrau Milenka und Luise treffen aufeinander; Luise folgt ihr auf Schritt und Tritt und kontrolliert jeden Handgriff. Milenka reicht es irgendwann; völlig aufgelöst rennt sie runter zu Alice ins Büro.
»Hi, ich bin es. Sag mal, was ist denn da los bei euch oben? Milenka ist völlig aufgelöst. So habe ich sie noch nie erlebt«, wollte Alice fairnesshalber auch die andere Seite hören.
»Ach, sie ist bei dir? Du, die ist einfach gegangen, ohne ein Wort zu sagen. Und hat alles stehen und liegen lassen. So ein Benehmen ist ...«
»Du hast die Küche geputzt heute morgen?«
»Ja, ich wollte doch nur helfen«, beteuerte Luise.
»Und du kontrollierst und kritisierst Milenkas Arbeit?«
Luise blieb die Luft weg: »Also das ist doch… Ich habe nur aus meinem reichen Erfahrungsschatz ein paar Tipps zur Verfügung gestellt.« Sie kam in Fahrt: »Außerdem, das muss ich schon sagen, ist sie recht schnippisch und eine Viertelstunde zu spät gekommen. Und dann besitzt sie auch noch die Frechheit, sich bei dir über mich völlig zu Unrecht zu beschweren!«
Noch hatte sich Alice im Griff, aber wenn sie sarkastisch wurde, war Alarmstufe eins erreicht: »Oh ja, das ist wirklich ganz schlechter Stil. Man kann ja schließlich miteinander reden und das unter vier Augen klären in aller Ruhe und sachlich.«
»Ja, wir sind doch erwachsene Frauen«, stimmte Luise zu.
»Und jemandem klipp und klar sagen, was man nicht gut findet, aber in liebevoller Kritik eine Lernchance geben.« Luises bekräftigendes Kopfnicken ließ Alices Telefonhörer förmlich vibrieren: »Ja, immer in Liebe miteinander umgehen.«
»Genau. Und deshalb gebe ich dir jetzt eine Lernchance: Du bist in drei Minuten aus der Wohnung, damit Milenka in Ruhe ihre Arbeit machen kann. Ich mache die Bürotür auf und kontrolliere das. Du kannst ja während der nächsten zwei Stunden auf einer Parkbank die Tauben füttern oder bis zur Heiserkeit in der Josephskirche Ave Marias singen. Milenka hält seit vier Jahren absolut zuverlässig Wohnung und Büro top in Schuss. Du bist gerade mal zwei Tage hier und wenn du sie noch einmal schräg anmachst, werden es nicht viel mehr.«
